Leben in „Lazy Wentz-Town“ Die Wentzinger-Realschule verwandelt sich in eine Stadt. Mit Bürgermeister, Stadtrat und eigenem Geld.

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Der Bürgermeister betritt die voll besetzte Mensa und eröffnet an einem Donnerstagmorgen im Juli die Stadt „Lazy Wentz-Town“. Die Stadt „Lazy Wentz-Town“ wird es während der Projekttage an der Wentzinger-Realschule für vier Tage geben. Das Sagen haben in „Lazy Wentz-Town“ der Bürgermeister und der gewählte Stadtrat. Die Bürger sind Schüler, die als ganze Klasse bei dem Projekt „Schule als Stadt“ bereits im Vorfeld teilgenommen haben, oder sich während der Projekttage für das Projekt anmeldeten. Insgesamt hat die Stadt 150 Bürger.

      

Für diese vier Tage Stadtspiel musste ein knappes halbes Jahr lang viel vorbereitet werden. Eine neunte Klasse erarbeitete im EWG-Unterricht eine Verfassung, die dann in der Vollversammlung abgestimmt wurde. Es gab einen Wettbewerb für den Stadtnamen. Die Stadthymne wurde von einer 6. Klasse im Musikunterricht komponiert.

 

Das Regieren in „Lazy Wentz-Town“ übernimmt der Oberbürgermeister und die vier Bürgermeister, die jeweils einen Ausschuss leiten. Die Parteien wählen die Bürger. Für die Wahlen haben die Schüler ab April Parteien gegründet und im März Wahlkampf gemacht. Im Stadtrat hat die Partei „ASC – Ausländer sind cool“ bei den in der Mensa durchgeführten Wahlen die meisten Stimmen erhalten. Allerdings verpassten sie die absolute Mehrheit und die Koalitionsverhandlungen mit den anderen Parteien scheiterten. Regierungsparteien sind nun die Parteien „Rebel Dogs“ und „Die Schüler“.

 

Nach der Eröffnung sind alle gespannt, ob sie in einem der im Vorfeld gegründeten Betriebe Arbeit finden werden. Der Stadtrat hat in einer Sitzung beschlossen, dass jeder Bürger zwei Stunden pro Tag arbeiten muss. Dafür bekommt er Lohn, pro Stunde mindestens 150 Wentzis. Natürlich soll das Geld in einem der vielen Betriebe auch wieder ausgegeben werden. Es gibt viele Cafés und Restaurants, ein Kino, ein Schönheitssalon, ein Henna-Tattoo-Shop und städtische Einrichtungen wie das Gericht, die Polizeistation oder das Arbeitsamt. Bunte Plakate werben für die vielen Betriebe. Es hat sich schnell gezeigt, dass nur sauber geführte und gut beworbene Betriebe Gewinn machen. Die Unternehmer müssen Steuern zahlen, mit denen beispielsweise die Stadtangestellten bezahlt werden. Kommt es zu Diebstahl, Streitereien oder Steuerbetrug schreitet die Polizei ein und das Gericht verhängt die Strafe nach dem vom Stadtrat beschlossenem Strafmaßnahmenkatalog.

Die Projekttage enden mit einem großen Schul- und Stadtfest. Auf der Bühne singt der Chor die Stadthymne und der Oberbürgermeister wird vom Schulleiter über seine Erfahrungen interviewt. Viele Eltern besuchen als Besucher „Lazy Wentz-Town“ - tauschen Euro gegen Wentzis, essen Kuchen, gehen ins Kino oder lassen sich die Nägel lackieren. Die Reporter von „Lazy Wentz-News“ schreiben Berichte über die Ergebnisse der Stadtratssitzungen und über das Stadtfest, interviewen die Bürgermeister und verkaufen ihre druckfrische Zeitung.

Am Dienstag nach dem Schulfest: Die Macht ist nun wieder an den Schulleiter übergegangen.
Das Schulhaus wird vor den Sommerferien gründlich geputzt. Nur die Bankmitarbeiter sind noch bei der Arbeit. Reicht das Geld, bekommt jeder seine Wentzis umgetauscht? Es bleibt tatsächlich ein Gewinn übrig, der gespendet wird.

 

Und hat sich die ganze Arbeit für alle Beteiligten gelohnt? Die Bürger wollen bald wieder eine eigene Stadt gründen. Eine Stadträtin will auch im echten Leben Politikerin werden.
Die Parteimitglieder der stärksten Partei haben nun verstanden, was unter einer Koalition, Koalitionsverhandlungen und einer absoluten Mehrheit zu verstehen ist. Die beteiligten Lehrer brauchen erst ein, zwei Jahre Erholungspause. Und unser Schulleiter ist davon angetan, was Schüler in Eigenregie auf die Beine stellen können. Die Polizei und das Gericht möchte er gerne beibehalten.

Von: Isabell Simon

   
   
© Wentzinger Realschule Freiburg